Glasboden

Was ich schrieb, das schrieb ich
und blieb nicht
selten ungesagt.
Oft, wenn es mich erwischte
da zischte ein Stimme.
Sag das Schlimme, sag es.
Ich mag es!
Und wenn ich dann, ganz unbeholfen
im Trank versank
und dem Suff erlag.
Da verzagt ich dennoch nicht
und blieb innerlich auf dich erpicht.
In den seltensten Fällen verspüre ich Schmerzen an Stellen,
die wohl gesagt weh tun.

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Gewittergedicht

Am ersten Herbsttag ist schlicht-
weg, alles in Sicht, was der Sommer
getan und gedacht hat.
Dass alles fällt, herab-
schauen die Männer in Anzügen auf die Dekolletees
der Maurer.
Gedanklich, wie auch sonst, nur ein Plan-
Tage des Wartens und Wochen des Kummers,
dann Monate der Vernunft, gefolgt von Jahren des Eifers,
denen schon der Bote des Versagens vorauseilte.
„An meine Wand kommt keine Leiter, meine Wand ist frisch gestrichen.“ Klagt Wolfgang R., Hausleiter einer Berliner Kaufland-Filiale, der die Wand der neu errichteten Kühltheke sein Eigen nennt. Er ist ganz der Betrieb, er ist der Betrieb. Alles seines.
Am Aufzugschacht steht ein Verwirrter,
„umherirrender Aufzugmonteur, komm her“ brüllt Wolfgang R.
Die Wiesen sind Fliesen,
die Luft ist der Duft der seither vom Maggiregal kommt.
Einkaufen zur Mittagsstunde ist Arbeitsscheu.
Die Moral misst man
Wer an’s Lokal pisst,
dann ist wischen wichtig.
„Ja, hier und dazwischen, richtig.“

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Gnadenlose Zeit

In Sinnen spricht der Frust der Zeit

und wartet, das das Warten gleich

ein Ende oder Schaffen findet.

Besonnen sitzt der Kopf recht schief,

er neigt zur Haltlosigkeit und zieht

nach unten hin den Geist und Körper

hier ist die Erdanziehung stärker.

Kein Wort ist eindringlich genug,

denn der Reiz lud unermüdlich gut

zum Träumen ein.

Ratlos blickt aus mancher Ecke,

mal hinten links, dann vorne rechts,

meldet sich zu Wort

verschwindet hier von dort,

es schweigt.

Doch da ganz mittig, ein Räuspern, stumm

mehr kümmerlich, drum

bleibt die Stille starr und hält

nichts von dem, was hier erzählt.

Protagonist in Text und Schau

ist selten Held,

gern meist verfehlt,

hält sich aus allem raus.

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Visite

Von Menschen sanft begleitete Wege, die gefällte Bäume säumen.
Ein Mann geführt an der Leine seines Hundes.
“Kastanien fallen das ganze Jahr”, sagt ein Schild und schützt ahnungslose Nager.
Der Waldweg ist jetzt asphaltiert. Stadtatmosphäre im Grünen.
Damit sich hier keiner verirrt: denn Zivilisation kommt gleich um die Ecke. Der letzte, der sich hier verlaufen hat, ist nicht mal gestorben.
Wenn die Natur die Stadtbevölkerung belächelt, holt der Nachbar seine Säge und schneidet der Birke das Grinsen aus dem Gesicht.
“Meine Umgehungsstraße ist jetzt eine Autobahnausfahrt”, klagt der letzte Bewohner, der jetzt mit dem Auto über den Stadtring direkt in den Wald fährt, der gegenüber seiner Mietwohnung liegt, um Holz für sein Dachlagerfeuer zu holen.

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Der Mett-Rap

Das ist der Mett-Rap:

Wenn du klug bist, auf Mett setzt, mit der Zunge jetzt lecker das Fett weg vom Mett leckst und Zwiebeln und Salz schmeckst! Dann ist das was krass ist, wenn du satt bist und mattes und stumpfes, jetzt glatt-glänzend vom Fett ist. Denn wettest du auf gesundes Gemüse, vegetarische Küche, dann hüte dich und krieche, …ja versteck dich, denn ich komm und leck dich weg, weil du fett bist!

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Fragemut

Ich decke Häuser ein mit meinem Leben,
verlange Antworten,
es will sie keiner geben
Geb euch Menschen hiermit meinen Segen,
hoffe dass ihr mich auch wählt, wenn
ich wiederkomm.
Von meiner Reise,
als Mensch ohne Namen,
als Tier ohne Hoffnung,
denn ich kam zu oft um,
nachzuschauen,
ob sich noch einer traut,
Fragen zu stellen,
an die Gesellschaft,
die die Welt hasst,
nur weil sie Eintritt verlangt.
Und weil sie zweifelt und bangt
und unsicher ist,
und rumkichert bis
einer sagt: Hör auf, Mensch
hör auf zu lachen.
Hör auf zu warten
und fang an zu machen.
Denn jeder Frust,
der entsteht,
der nicht vergeht,
sitz im Herzen
und führt nur zum Schluss,
dass kein Verlass auf den Hass ist.
Denn das ist
die Antwort.
Die mir keiner gibt
Die nicht existiert.
Der Sinn des Lebens wird zu oft siziert.
Wird zugenäht,
verschweißt und eingelagert.
Doch wenn nur einer hadert,
der den Mut hat und kämpft,
nicht ans Aufgeben denkt.
Rettet alle und sich.
Mensch,
lass dich nicht im Stich.

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Zum Frühstück

Ich halt mich an das Abgemachte.
Du fragst, also gebe ich Dir eine Antwort.
Meine Antwort.
Sie wird deiner Frage vielleicht nicht gerecht.
Aber dabei bleibt es.
Sieh mich nicht so an.
Du starrst und das kann ich nicht leiden. Du weißt, dass dein Blick mich schwach macht und das will ich nicht!
Sieh weg!
Ich dreh mich mit dem Küchenstuhl und schlag die Zeitung auf und zu und auf und zu.
Der frisch gepresste Orangensaft schmeckt zu sehr nach Vitamin-C.
Der Kaffee ist kalt und der Toast ist mir zu weiß. Ich möchte den Vollkorntoast.
Du kaufst immer H-Milch.
Wie oft habe ich Dir gesagt, dass ich frische Vollmilch haben möchte. Nein ich will.
Darf ich nichts wollen, weil sich das nur unhöflich formulieren lässt?
Hör doch mal aufs Wort, nicht auf den Klang.
Du hast einen Hang zu Übertreibungen.
Eben deshalb wollte ich allein bleiben. Aber das Geld deines Vaters. Ich habe ihm gesagt: 5 Jahre.
Drei sind um und es lässt sich kaum ertragen.
Ich schlafe nie wieder auf der Couch nur, weil du erkältet bist. Ich will ein eigenes Bett in einem eigenem Zimmer.
Das Haus ist zu klein, das habe ich von Anfang an gesagt. Aber dein Vater wollte nichts größeres finanzieren.
Besser, als Eigenbau. Ich bin handwerklich ungeschickt, das habe ich dir gesagt, aber du mochtest meine Gedichte. Gedichte bauen keine Häuser, musst du wissen.
Das Regal an der Wand für die Bücher war mein schwerstes Gedicht.
Poesie.
Lyrik.
Ich.
Los, geh zur Arbeit.
Du willst arbeiten, hast du gesagt.
Ich schreibe Gedichte, das wusstest du vorher.
Ich schreibe Bücher, die liest Du gern, meintest Du.
Ich sehne mich nach Orangensaft aus dem Karton oder aus der Plasteflasche.
Bis heute Abend. Ich schreibe Gedichte.

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Zum Frühstück

Als er da steht und sich denkt,
dass er hängt und schwebt
und selten lebt.
Weil er schaut,
sich nicht traut
auch
Daran zu denken,
das Gestern zu vergessen.
Am besten glaubt er an
das Beste vom heutigen Tag.
Was Gedanken plant und plagt heißt:
Ich.
Eben.
Denn der Mensch an sich ist hinderlich.

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Salzburg

Am Straßenrand steht stark und stürmisch
Stadt teilt sich auf und verläuft
Geradeaus, entlang,
Denn es bringt, was andre Städte zeigen.
Und immer eine Straße
Und immer ein Gebäude
wie andere.

Die Spitze des Turmes verdreht
Zeigt nach oben.
Steht verstaubt und verrät,
Dass hier und in anderen Städten, sonst nicht.
Sein Gesicht.

Die Menschen flaniern
Und laufen zuhauf
die Wege hinauf.

Was links ist und was rechts.
Was hinter ihnen und vor ihnen.
Wen kümmert, dass genau hier,
Was in ihrer Stadt fehlt.

Inmitten des Dorfes,
die Burg prangt und lacht.
Ist der Schatz und das Wappen
Bei Tag und Nacht wacht.

Keiner sieht,
Alle wenden sich ab.
Und die Zeit
Und die Zeit heut bleibt knapp.

Ach,
Werden sie sagen.
Im Gespräch dann Zuhaus.
Ach,
War es schön,
was wir dort gesehen.
Und gesehn haben sie nichts.

Das Geld klingt so anders.
Denn die Sachen sind neu
Und Zuhaus, ja
Da ist nur Daheim.

Ach könnt ich, ich blieb.
Wollt nen Tag oder zwei
Allein
Und in Stille hier sein.

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Im Sturm der Zeit

Im Sturm der Zeit verliern wir Kopf,
verliern wir Sinn und Eifer.
Wir sehn uns dann im Spiegel an
und wünschten uns noch reifer.

Was äußerlich,
ist Tarnung heut
und das Signal von Morgen.
Komm schüttle diese Hand mein Freund,
du kannst sie immer borgen

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