Im Sturm der Zeit

Im Sturm der Zeit verliern wir Kopf,
verliern wir Sinn und Eifer.
Wir sehn uns dann im Spiegel an
und wünschten uns noch reifer.

Was äußerlich,
ist Tarnung heut
und das Signal von Morgen.
Komm schüttle diese Hand mein Freund,
du kannst sie immer borgen

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Wir, Die Nacht

Wenn der Tag war und die Nacht ist, ist alles.
Ist alles so, als wollte der Tag nie Tag sein, nur Nacht.
Draußen dunkel und wir hellwach.
Ich schlaf nicht ein. Du schläfst nicht ein.
Wir fühlen uns sicher unter der Decke, unter der Decke der Nacht.
Da fühlen wir anders, da fühlen alle Menschen anders, sagst du und schaust mich an.
Aber ich seh deinen Blick nicht. Aber ich weiß, dass er da ist.
Dann, wenn ich mich umdrehe, dann ist er immer noch da. Auch wenn du dich umdrehst und wir uns vorstellen, dass wir uns anschauen.
Und es bleibt dunkel.

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Tram

Weißer regen auf der Nase tanzt.
Was bist du schön heut.
Wie man lacht als man merkt, dass stumpfe Tropfen die Poren verschließen.
Das Gesicht knistert wie Folie, wenn der regen gegenpeitscht.
Bei 5 Grad friert nur der Wind.
Im seichten Nass der Pfützen tanzt ein Beben.
Unechtes Lachen auf Glas. Im Glas ein bestelltes Lachen mit Schuss.
Rosa Flecken decken nicht, doch tanzen in der Bahn.
Ein einsamer Kinderwagen ohne Geleit, als hätte man’s Kind verlorn. Da vorn ist nur nichts, weil es hinten aufhört.
Durch drei Scheiben blickt man’s Wasser. Komisches Glas, WALL-Glas und Wasser-Glas.
Tranparenz ist ehrlich. Wer flüstert, der lügt.

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Kopfsache

Was meinen Geist schnürt, schürt ihn.

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Ein Appell an die Dummheit

Dummheit sprich und sage mir
bekümmert dich, dass alle Welt
dich ihrer Teil werden lässt,
gewisse sich deiner jedoch entledigen?
„Gewisse“ sind gewisse Teile aller Welt.

Was du von uns hälst?
Wer will das wissen?
Die Frage ist:
Was halten wir von dir?

Doch nun stehst du und raunst,
was auch sonst willst du tun,
wenn einer sagt, was er denkt. Ganz frei von Dummheit.
Von Angesicht zu Angesicht.
Nasenspitz’ an Nasenspitz’.
Mann gegen Mann.
Eins zu eins.
Nur du und ich.

Ach hätt’ ich doch,
dann wär’ ich jetzt was besseres.
Was besseres als du alle mal.
Dafür hätt’s gereicht.
Das, liebe Dummheit, glaube mir.

Also schäme dich und geh,
ich mag dich hier nicht mehr sehn.
Widersetztest du dich,
bliebe immer noch ich.

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Weißt du

Weißt du, was das macht?

Wenn ich dir sage, dass du ein wundervolles Lächeln hast, hörst du dann auf oder lachst nun viel vorsichtiger?

Wenn ich dir sage, lass dein Haar noch ein Stück ungekemmt, gehst du dann zum Friseur?

Wenn ich dir sage, dass du mir gute Laune machst, darf ich dann nie mehr schlechte haben?

Wenn du das liest und nicht verstehst, heißt das, dass ich nicht schreiben kann?

Ich weiß es nicht.

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Routine

Der Wecker.

Der Wecker hat das Funktionieren nicht verlernt, was er mir jeden Morgen zur selben Zeit beweist.
Es ist dieselbe Zeit. Der Wecker irrt sich nicht. Ein Wecker kann das Wecken nicht vergessen, weil er es nicht lernt. Er kriegt einen Befehl. Etwas anderes als diesen Befehl kann er nicht befolgen. So ist er programmiert. Und wenn er den nächsten Morgen nicht funktionieren soll, dann funktioniert er eben nicht.
Aufstehen. Kurz vor dem Aufstehen liegen bleiben, die Augen noch einmal schließen und hoffen, dass sich die Tatsache verändert. Dass eine Planänderung auftritt, auf welche man mit „Schlaf“ reagieren müsste. Nach einer Minute wird der Gedanke verworfen, man kommt zur Besinnung und kämpft, wühlt sich aus der Nestwärme.
Schnelligkeit, schneller Zugriff unterstützt die Konzentration, die fehlt. Vorbereitung ist hilfreich und beschleunigt die Routine in der Frühe. Kleidung hängt über dem Stuhl, die Waschtasche steht auf dem Stuhl und die Latschen standen bereits am oder unter dem Bett.
Füße anheben, damit man nicht schlurft. In das große Bad. Das Nassrevier mit acht Waschbecken. Rasieren. Zurück zur Stube. Anziehen. Befehle kurz entgegennehmen. Keine Lust. Hastig. Um 4.50 im Zugrahmen antreten. Ausführung.

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Ein Blick auf die Stube

3 Gesichter stehen dreckig nackt,
Eckig rund und vollgepackt,
Mit dummsein und dem Rest der Zeit,
Und grinsen breit.

Der eine spricht, der andre schreibt.
Doch keiner denkt.
Denn vollbeleibt, ganz platt und faul.
Gähnen, reißen’s rote Maul.
Auf und zu und auf und zu.

Hier.
Einer sagt. Er hat was gesagt und keiner hört hin.
Dann wieder. Das Grinsen als ausdruckslose Fresse.

Der Teufel klopft heut an die Tür und fragt.
Er hat gefragt, aber keiner gibt ihm eine Antwort.
Alle Sitzplätze sind vergeben Herr Teufel.

Man macht zum Spaß sich lächerlich und lacht.
Aus vollem Halse bunte Töne und keiner lacht mit.
Ach. Umsonst. So viel Wind.

Die nackten Blicke gleiten zum Boden und verharren.
Als könnten sie den Dreck, den sie denken, verscharren.

Nichts ist umsonst, nichts weilt, was eilt.

Ich beteilige mich am Stummsein und male Luftblumen mit meinen Augen.

Meine Name. Ach mein Name.

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Wenn, dann…

Ich steh am See,
Ich sitze, warte.
Guck, da schwimmt einer
Der hütet Schafe.
Und Fische mag er,
ausnehmen, essen
Bei gutem Wein den Tag vergessen.
Und wenn er fortgeht,
Wenn er lacht.
Wie er es jeden Abend macht.
Bin ich sein Freund,
Gesell mich gern.
Dazu den hellen Judenstern.
An meiner Brust.
Trägt er das Kreuz.
Genau wie ich
Mit sehr viel Stolz.
Nichts wär verraten und alle trügen
Auf ihrer Brust,
vor Tugend Lügen.
Gemeinsam gingen,
Gemeinsam hingen
Ihre Leiber.
Und alle waren da.

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Der Baum

Die Rinde des Baumes sie schält
sich ab
und der Baum steht gequält.
Als Wandrer nackt und verloren
ein Blatt
schimmert grün hinter Ohren.

Die Wiese erstreckt sich im Glanz
und deckt sich im Tanz
denn sie reckt sich so ganz
wiegt sich hecktisch im Wind.

Der Baum noch immer still und starr
er friert
als ward er gestern schon da
und als Gast mit Manier
wartet er stumm
schert sich nicht drum
bleibt solange hier.
Bis man ihm öffnet.

Verlassen, allein.

Er flüstert:
Mach auf mir die Tür
was ist nur mit dir?
Was lässt du mich stehn nur im Garten?
Willst du mich elends verraten?

Der kräft’ge Baum, der einst so groß
verschrumpelt und alt
übers brache Feld hallt.
Legt die Hände in den Schoß.

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